Marketing Automation verkauft dann, wenn sie sauber aufgesetzt, datengestützt gesteuert und konsequent auf Ihre Wachstums- und Sichtbarkeitsziele ausgerichtet ist. Eine 90‑Tage‑Roadmap schafft dafür ein klares, messbares Vorgehen: Sie priorisiert die schnellsten Hebel (Time‑to‑Value), legt eine belastbare Datenbasis, aktiviert triggerbasierte Journeys über E‑Mail, SMS und Social und integriert KI‑gestützte Personalisierung sowie Ihr CRM-/E‑Commerce‑Ökosystem. Entscheidend sind dabei klare Meilensteine, transparente KPIs (u. a. CAC, CLV, Conversion‑Rate) und DSGVO‑konformes Tracking.
Zielbild nach 90 Tagen:
- Ein sauberes Event‑Tracking mit Einwilligungsmanagement, das Attribution und Optimierung ermöglicht
- Operationalisierbare Segmente und Lead‑Scoring, die Marketing‑ und Vertriebshandover präzisieren
- Live‑Journeys für Akquise, Aktivierung, Conversion, Upsell und Reaktivierung über mehrere Kanäle
- KI‑gestützte Content‑Personalisierung mit klaren Guardrails
- Durchgängige CRM-/E‑Commerce‑Integration inklusive Reporting auf Pipeline- und Umsatzebene
Tage 0–30: Fundament legen – Datenbasis, Tracking, Rechtssicherheit
1) Tracking‑Plan und Datenarchitektur
- Definieren Sie ein einheitliches Event‑Schema (z. B. view_product, add_to_cart, start_checkout, purchase, form_submit, demo_request), inklusive Properties (SKU, Kategorie, Wert, Kampagne).
- Legen Sie UTM‑Standards und Naming‑Konventionen fest, damit Kampagnen konsistent ausgewertet werden können.
- Nutzen Sie einen Tag‑Manager (z. B. Google Tag Manager) und dokumentieren Sie alle Tags, Trigger und Variablen.
- Entscheiden Sie früh, wo First‑Party‑Daten zusammenfließen: CRM (z. B. HubSpot, Salesforce), E‑Commerce‑System (Shopify, WooCommerce, Magento) oder eine Customer Data Platform (z. B. Segment, mParticle) für kanalübergreifende Identitäten.
2) DSGVO‑Best Practices und Consent
- Implementieren Sie eine Consent‑Management‑Plattform (z. B. Usercentrics, OneTrust) und respektieren Sie Zweckbindung sowie granulare Einwilligungen (Analytics, Marketing, Personalisierung).
- Führen Sie Double Opt‑In für E‑Mail und SMS ein; dokumentieren Sie Einwilligungszeitpunkt, Quelle, Version der Datenschutzerklärung.
- Minimieren Sie Daten (nur notwendige Felder), definieren Sie Aufbewahrungsfristen und schließen Sie Auftragsverarbeitungsverträge mit allen Tool‑Anbietern ab.
- Stellen Sie einfache Opt‑out‑Mechanismen bereit und achten Sie auf Deliverability‑Standards (SPF, DKIM, DMARC).
3) Tool‑Auswahl nach Budget und Reifegrad
- Einstieg (Budget-sensitiv, schnell startklar):
- All‑in‑One: Brevo, MailerLite, Klaviyo (für E‑Com)
- Analytics: GA4 oder Matomo (selbst gehostet für mehr Kontrolle)
- Automationen/Workflows: ActiveCampaign, Omnisend (E‑Com)
- Mid‑Market:
- Marketing Hub: HubSpot Professional
- CDP/Events: Segment
- Testing: VWO, Optimizely Web
- SMS/WhatsApp (mit Einwilligung): Twilio, Sinch, MessageBird
- Enterprise:
- Orchestration: Salesforce Marketing Cloud, Adobe Marketo Engage, Braze
- CDP/Warehouse: Snowflake/BigQuery + RudderStack/Segment
- Feature‑Tests/Personalisierung: Optimizely Full Stack, Dynamic Yield
Entscheidungskriterien:
- Datenhoheit und Hosting‑Optionen (insb. bei sensiblen Daten)
- Native Integrationen mit Ihrem CRM/E‑Com
- Workflow‑Komfort (No‑Code/Low‑Code), API‑Tiefe, Skalierbarkeit
- TCO: Lizenzen + Implementierung + Maintenance
4) Baselines und Erfolgskriterien festlegen
- Messen Sie aktuelle Conversion‑Rates pro Funnel‑Stufe, CAC, CLV, Lead‑Velocity‑Rate und MQL→SQL‑Quote.
- Definieren Sie 90‑Tage‑Ziele, z. B. +20 % qualifizierte Conversions, −15 % CAC, +10 % E‑Mail‑Umsatzanteil, Time‑to‑First‑Value < 30 Tage für neue Leads.
Deliverables bis Tag 30:
- Abgenommener Tracking‑Plan und implementierte Events
- Live Consent‑Management
- Ausgewählter Tool‑Stack mit Grundkonfiguration
- KPI‑Dashboard (z. B. in Looker Studio/Power BI) mit Baselines
Tage 31–60: Segmente, Lead‑Scoring und triggerbasierte Journeys
1) Segmentierung, die verkauft
- Demografisch/firmenbezogen: Branche, Unternehmensgröße, Region, Rolle (Entscheider:in vs. Nutzer:in)
- Verhaltensbasiert: Produktinteresse, Content‑Engagement, Warenkorbaktionen, Preis‑Sensitivität
- Lebenszyklus: Neu‑Lead, Nurturing, MQL, SQL, Kund:in, Stammkund:in, Churn‑Risiko
- Kanalpräferenzen: E‑Mail, SMS, Social/Custom Audiences (Meta, LinkedIn, TikTok)
Praxis‑Tipp: Erstellen Sie 5–7 Kernsegmente mit klarer Value Proposition und passender Content‑Tiefe. Vermeiden Sie Übersegmentierung, die Journeys verkompliziert.
2) Lead‑Scoring: Fit × Verhalten
- Fit‑Score (statisch): z. B. Rolle, Branche, Umsatz, Tech‑Stack, Firmogröße
- Behavior‑Score (dynamisch): Öffnungen/Klicks, Seiten-/Produktaufrufe, Form‑Submits, Webinare, POC‑Anfragen
- Gewichten Sie Events (Demo‑Anfrage > E‑Book‑Download). Legen Sie MQL‑Schwellen fest und SLA mit Sales (z. B. MQL‑Kontakt in < 24 h).
- Nutzen Sie prädiktives Scoring (KI), sobald genügend Events vorliegen; validieren Sie monatlich auf Präzision.
3) Triggerbasierte Journeys über E‑Mail, SMS und Social
- Welcome‑Serie (Tag 31–35 live): Onboarding, Nutzenversprechen, Social Proof, Micro‑Conversion (z. B. Profilpräferenzen)
- Browse‑Abandonment: Produkt-/Kategorieansichten ohne Add‑to‑Cart; Reminder nach 2–24 h
- Cart‑Abandonment: Mehrstufig (1–3 Nachrichten in 24–72 h), ggf. Anreiz in Stufe 2/3
- Lead‑Nurturing für B2B: Themenpfade nach Pain Points, Case Studies, ROI‑Rechner, Demo‑CTA
- Post‑Purchase/Upsell: Cross‑Sell basierend auf Kauf, Pflegezyklen, Re‑Order‑Reminder
- Win‑Back/Reaktivierung: Für inaktive Abonnent:innen oder Kund:innen, inkl. Präferenz‑Update
- Social‑Sync: Automatischer Sync von Segmenten zu Custom Audiences (Meta, LinkedIn, TikTok) für Reichweitenaufbau und Retargeting
- SMS/WhatsApp: Nur mit Opt‑in; transaktional (Status/Reminder) und werblich sparsam, klarer Mehrwert
Orchestrierung:
- Frequency‑Capping und Kanal‑Prioritäten (z. B. E‑Mail vor SMS für Promo)
- Quiet Hours, Send‑Time‑Optimization per KI
- Deliverability im Blick: List Hygiene, Bounce‑Handling, Sunset‑Policy
4) Content‑Personalisierung mit KI – sicher und on‑brand
- Dynamische Module: Produktempfehlungen, Inhalte nach Segment/Intent, Preisdarstellung nach Region
- KI‑Gestützt: Betreffzeilen‑Varianten, Text‑Varianten, Bild‑/Video‑Snippets; Send‑Time‑ und Next‑Best‑Action‑Modelle
- Guardrails: Styleguide, Freigabe‑Workflows, Nutzung geprüfter Wissensbasen (RAG), keine sensiblen Daten in Prompts
- Testen Sie systematisch (A/B/n), messen Sie Lift statt nur Signifikanz, und skalieren Sie Gewinner zügig.
Deliverables bis Tag 60:
- Live‑Segmente und dokumentiertes Scoring‑Modell
- 3–5 aktive Journeys (Welcome, Abandonment, Nurture, Post‑Purchase)
- Personalisierungs‑Bausteine und Testplan für 4 Wochen
Tage 61–90: CRM-/E‑Com‑Integration, Umsatz‑Attribution und Skalierung
1) Tiefe System‑Integration
- CRM: Bidirektionale Syncs von Kontakten, Deals, Stages; automatische MQL→SQL‑Handover; Tasks/Alerts für Sales
- E‑Commerce: Produktkatalog‑Sync, Gutscheine, Lagerbestand, Kaufhistorie; serverseitiges Tracking für robuste Attribution
- Middleware/Automations: Zapier/Make/n8n/Webhooks für Spezialfälle; Offline‑Conversions in Ads‑Plattformen zurückspielen
- Identity‑Resolution: E‑Mail, Telefonnummer, Customer‑ID zusammenführen, um Kanäle konsistent zu bespielen
2) Attribution, Dashboards und Entscheidungsroutinen
- Modell‑Mix: Last‑Non‑Direct, Positionsbasiert und datengetrieben vergleichen; klar dokumentieren, wofür welches Modell genutzt wird (Budget vs. Taktik)
- Standard‑Dashboards:
- Akquise: CAC nach Kanal/Kampagne, CTR, CPC, Lead‑Qualität
- Nurturing/Activation: Open/Click‑Rates, Activation‑Rate, MQL‑Yield, Time‑to‑First‑Value
- Revenue: Conversion‑Rate pro Journey, CLV, Wiederkaufsrate, Umsatzanteil Automation
- Entscheidungsrhythmus: Wöchentliches Taktik‑Stand‑up, zweiwöchige Experimente‑Reviews, monatliche Budget‑Reallokation
3) Skalieren, ohne die Qualität zu verlieren
- Journey‑Expansion: Produktspezifische Pfade, Onboarding für neue Features, VIP‑Programme, Social‑Proof‑Loops
- Predictive Use Cases: Churn‑Scores für Retention‑Trigger, Kaufwahrscheinlichkeiten für die Priorisierung von Kampagnen
- Content‑Ops: Modularer Baukasten, zentrale Asset‑Bibliothek, Templates, Freigabeprozesse
- Governance: Change‑Management für Workflows, Versionskontrolle, Roll‑back‑Pläne
Deliverables bis Tag 90:
- Vollständige CRM-/E‑Com‑Integration mit automatisierten Handovers
- Attributions‑ und ROI‑Dashboard auf Kampagnen‑ und Journey‑Ebene
- Skalierungsplan für Q2/Q3 inkl. Budget und Test‑Roadmap
KPIs, ROI und typische Stolpersteine – und wie Sie sie vermeiden
Wesentliche KPIs und wie Sie sie nutzen
- CAC (Customer Acquisition Cost): Gesamte Akquise‑Kosten / Anzahl Neukund:innen; nach Kanal ausweisen und mit CLV ins Verhältnis setzen.
- CLV (Customer Lifetime Value): Deckungsbeitrag × Wiederkäufe × Retention; Szenarien für Upsell/Cross‑Sell berücksichtigen.
- Conversion‑Rate: Pro Funnelstufe (Lead→MQL, MQL→SQL, SQL→Kauf); Engpässe priorisiert beheben.
- Lead Velocity Rate (LVR): Wachstum der qualifizierten Leads pro Monat; Frühindikator für Pipeline.
- Time‑to‑First‑Value: Zeit vom Erstkontakt bis zur ersten wertstiftenden Aktion (z. B. Aha‑Moment, Erstkauf).
- E‑Mail‑KPIs: Zustellbarkeit, Öffnungen/Klicks, Unsubscribe/Spam‑Rate; Segmentqualität und Content‑Relevanz spiegeln sich hier direkt.
- Retention/Repeat Rate: Anteil und Frequenz von Wiederkäufen; Hebel für profitables Wachstum.
Typische Stolpersteine – und Gegenmaßnahmen
- Unklare Datenqualität und Event‑Chaos: Fester Tracking‑Owner, Versionskontrolle, monatliche Audits.
- Übersegmentierung und Automations‑Wildwuchs: Max. 5–7 Kernsegmente, Journey‑Katalog mit Ownership, Sunset‑Regeln.
- Kein SLA zwischen Marketing und Vertrieb: Definierte MQL‑Schwellen, Reaktionszeiten, Feedback‑Loop (Disqualifizierungsgründe analysieren).
- Content‑Engpässe: Modularer Content, KI‑gestützte Entwürfe mit menschlicher Redaktion; Wiederverwendung über Kanäle.
- DSGVO‑Risiken: Consent zuerst, Zweckbindung beachten, Opt‑out leicht auffindbar; Datenschutz mit IT/Legal abstimmen.
- Deliverability‑Probleme: Technische Authentifizierung (SPF/DKIM/DMARC), List Hygiene, Anmeldequellen prüfen, Re‑Engagement‑Kampagnen.
- Fehlende Priorisierung: Arbeiten Sie nach Impact × Aufwand; Quick Wins zuerst, dann komplexe Orchestrierung.
So stellen Sie den kampagnenorientierten Fit sicher
- Übersetzen Sie Ihre Wachstums- und Sichtbarkeitsziele in messbare Targets pro Journey (z. B. +30 % Demo‑Anfragen aus Nurture in 90 Tagen).
- Verknüpfen Sie Content‑Themen mit Pain Points Ihrer Zielgruppe; messen Sie Intent‑Signale und passen Sie Botschaften iterativ an.
- Synchronisieren Sie Audiences über Kanäle und führen Sie Budgets dorthin, wo der marginale ROI am höchsten ist.
Nächste Schritte
- Starten Sie mit einem kompakten Proof‑of‑Value: eine priorisierte Journey, ein Kernsegment, zwei KI‑Personalisierungen, ein fokussiertes Dashboard.
- Skalieren Sie entlang klarer Meilensteine und halten Sie Entscheidungszyklen kurz.
- Verankern Sie Governance und DSGVO‑Konformität von Anfang an – so bleibt Ihr Wachstum nachhaltig und Ihr ROI messbar.
Mit diesem 90‑Tage‑Fahrplan bauen Sie eine Marketing‑Automation, die nicht nur Prozesse automatisiert, sondern verkaufswirksam arbeitet: schneller Time‑to‑Value, messbarer ROI und mehr qualifizierte Conversions – passgenau auf die Ziele Ihrer Kampagne ausgerichtet.